Wir über uns

Sum, sum, sum

Ich bin eine Honigbiene aus Tönisvorst und wurde im Frühjahr geboren. Ich fliege schon eine ganze Weile in meiner Heimatstadt herum und möchte euch etwas über den Imkerverein Tönisvorst 1937 e.V. und auch unsere Umgebung erzählen.

Unser Imkerverein ist eine Gruppe von derzeit 55 Mitgliedern mit insgesamt 336 Völkern (Stand Februar 2026), die zusammenkommen, um ihre gemeinsame Leidenschaft für Bienenhaltung zu teilen und zu fördern. Vor 20 Jahren waren es gerade einmal 15 Mitglieder. Unser ältestes Mitglied lebt in Vorst und ist über 90 Jahre alt. Der Frauenanteil beträgt mittlerweile 25 %. In den letzten Jahren sind viele Jungimker dazu gekommen, welche durch erfahrene Imkerpaten einige Zeit betreut werden. So konnte die Anzahl der Bienenstöcke in den letzten Jahren kontinuierlich weiter aufgebaut werden. Im Durchschnitt betreut ein Imker fünf Völker. Die Mitglieder treffen sich regelmäßig, um Wissen und Fähigkeiten weiter zu entwickeln, Bienenprodukte zu verkaufen und gemeinsame Aktivitäten zu unternehmen.

Unser Verein hat sich zum Ziel gesetzt, die Kunst des Imkerns zu bewahren und zu fördern sowie die Bedeutung von Bienen für die Umwelt zu sensibilisieren.

Wenn ich nach Vorst fliege, puh das ist ganz schön weit, treffe ich Werner Bonn. Er ist unser 1. Vorsitzender und kümmert sich um so ziemlich alles, was in einem Verein so anfällt. Als Chef hat er beste Verbindungen zu benachbarten Imkervereinen aus Krefeld und Viersen sowie zum Kreisverband der Imker.

Werner bereitet Vorträge für Versammlungen vor und bestellt zum Beispiel einmal im Jahr die Oxalsäurelösung für die Winterbehandlung unserer Völker, damit uns die widrige und äußerst störende Varroamilbe nicht so stark zusetzt. Diese Milbe überträgt Viruserkrankungen und macht mir und uns das Leben sehr schwer. So schwer, dass mancher Imker deswegen aufhört zu imkern!

Auf meinem Weg zurück streife ich kurz den Forstwald, hier wohnt unser Schatzmeister Philipp Bergmann mit seinen Buckfast Bienenvölkern. Er kümmert sich um die Vereinskasse, Mitgliederbeiträge und Mitgliederlisten.

Als Bienensachverständige besuchen Wally oder Regine im Frühjahr das Zuhause vieler meiner Verwandten und prüften ob der Bienenstock frei von Krankheiten ist, denn zum Beispiel die Amerikanische Faulbrut, eine bakterielle Brutkrankheit, ist in Deutschland meldepflichtig.

Im Verlaufe eines Jahres sind nicht nur wir Bienen aktiv, auch unsere Imker haben eine Menge zu tun. Neben den laufenden Arbeiten am Bienenstock kümmern sich die Mitglieder auch um andere Projekte.

Nach der Flutkatastrophe im Ahrtal im Jahr 2021 spendeten sie 2022 zwei Bienenvölker für einen Imker in Lindlar, der in den Wassermassen alle seine Volker verloren hatte. Damit kann er sich dort wieder ein Bienenbestand aufbauen.

Für den Verein „Tönisvorster Hilfe e.V.“ sammeln unsere Imker Honig und können so im Herbst viele Gläser für Bedürftige spenden.

Auf dem Vorster Apfelfest im September und dem Weihnachtsmarkt in St. Tönis bieten unsere Imker schon seit Jahren verschiedene Honigsorten aus unseren Bienenstöcken an. Jeder Honig schmeckt anders, auch wenn alle aus Frühjahrs- oder aus Sommerblüten sind. Ich und meine Kolleginnen suchen uns den leckersten Nektar aus. Oft nehmen die Imker ein Schauvolk hinter Glas mit, sodass die Kinder (egal welchen Alters) uns ungefährdet betrachten und die Königin suchen können.

Ein besonderes Projekt hat der Imkerverein auf dem St. Töniser Friedhof realisiert. Dank der Hilfe vieler freiwilliger Mitglieder konnte dort für uns eine Blumenwiese errichtet werden. Am Rand der Wiese stehen nun einige Bienenstöcke in unterschiedlichen Behausungen, darüber hinaus gibt es einen Bienenlehrpfad mit Schautafeln. Dort veranstaltet der Imkerverein den Tag des offenen Fluglochs. Hier berichten fachkundige Mitglieder aus dem Bienenjahr und Klein und Groß dürfen sich uns nähern und zuschauen, wie wir im Stock zusammenleben.

Unsere Apfelstadt ist noch ein kleines Paradies für uns Honigbienen. Im Frühjahr fliegen wir in die zahlreichen Apfelplantagen zwischen Vorst und St.Tönis. Im Inneren der Blüte befinden sich Pollen und Nektar, welche als Nahrung für uns Bienen willkommen sind. Beim Sammeln bleiben Pollen im Haarkleid kleben, diese werden an der nächsten Blüte auf die Narbe übertragen, die Bienenbestäubung hat stattgefunden und der Obstbauer hofft auf eine gute Ernte im Spätsommer.

Im Laufe des Jahres finden wir in Tönisvorst und Umgebung Pollen und Nektar in den Gärten der Imker und Nachbarn, am Rande der Felder und in den Linden am Straßenrand.

Wir Honigbienen können uns recht gut an veränderte klimatische Bedingungen anpassen, denn Bienenvölker können Temperaturen in ihrem Stock regulieren und an heißen Tagen kühl halten. Die indirekten Auswirkungen des Klimawandels auf uns Honigbienen sind hingegen viel gefährlicher. Wir passen beispielsweise unseren Lebenszyklus an die Blühphasen der Pflanzen an. Da durch den Klimawandel die Blühphase früher anfängt, ist diese Synchronisation zwischen Bienenvolk und Pflanzen nicht mehr gegeben. Heiße und trockene Frühsommer beenden frühzeitig den Nektarfluss. Auch die Zusammensetzung der Pflanzenarten werden sich in den nächsten Jahrzehnten aufgrund des Klimawandels in Deutschland wahrscheinlich sehr stark verändern. Ob wir heimischen Honigbienen uns an diese Veränderungen anpassen können, wird sich noch zeigen.